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Interview mit TechTag.de: Cloud Computing, IoT, Blockchain – die Digitale Evolution

By on Dezember 27, 2017 in Kommentar

Im Juli 2017 wurde ich von Markus Henkel von TechTag.de zu digitalen Technologien und Services wie Cloud Computing, Internet of Things (IoT) und Blockchain interviewed – und erkläre dabei, was das alles mit der digitalen Evolution zu tun hat.

Man liest immer wieder, dass mittelständische Unternehmen mit Cloud-Computing ihre eigene Infrastruktur-Investitionen (Software, Hardware) senken können. Wie könnte eine solche Lösung ausschauen? Software-as-a-Service, Infrastructure-as-a-Service und Platform-as-a-Service sind Dienstleistungen, die in diesem Zusammenhang immer wieder genannt werden.

Cloud Computing trägt definitiv dazu bei, die Investitionskosten in IT-Umgebungen zu reduzieren. Dabei handelt es sich aber nur um einen Bruchteil der Vorteile, die von der Cloud ausgehen. Viel wichtiger ist jedoch der ständige Zugriff auf State-of-the-Art-Technologien und neue Services wie AI – etwas, das innerhalb von selbst betriebenen On-Premise-Umgebungen nicht möglich ist. Weiterhin ist die Skalierbarkeit und Elastizität von Cloud Computing essentiell, um auf die wechselnden Marktbedingungen und Kundenanfragen flexibel reagieren zu können. Cloud-Services sollten zudem in die Business-Strategie mit einbezogen werden. Vor allem für diejenigen Unternehmen, die auch in anderen Ländermärkten als nur Deutschland aktiv sind oder international expandieren wollen. Cloud Computing erleichtert es, die globale Reichweite mit einfachen Mitteln zu erhöhen, da die großen Public-Cloud-Anbieter mittlerweile in allen wichtigen Regionen weltweit mit lokalen Rechenzentren vor Ort sind.

Software-as-a-Service zählt zu den Low-Hanging Fruits im Cloud-Umfeld. Hiermit lässt sich prinzipiell auf jegliche Art von Software über den Browser zugreifen. Beliebte Lösungen, die Unternehmen bevorzugt einsetzen sind typischerweise Office, E-Mail und CRM. Aber auch ERP und HR-Lösungen werden zunehmend beliebter.

Platform-as-a-Service eigenen sich am besten für die Entwicklung von SaaS- und Cloud-Applikationen aber auch für die Cross-Integration zwischen verschiedenen Cloud-Lösungen (iPaaS).

Infrastructure-as-a-Service kommt bevorzugt für den Betrieb dynamischer Infrastrukturen zum Einsatz. Auf Grund des hohen Freiheitsgrades hinsichtlich Technologien und Konfigurationsmöglichkeiten ist IaaS derzeit aber weiterhin die bevorzugte Wahl, wenn es um die Entwicklung neuer digitaler Produkte, Software (SaaS) und Services geht.

Die digitale Transformation, der Weg in die Cloud, schärft automatisch den Fokus auf das Kerngeschäft; so sagt man. Die hauseigene IT kann sich voll auf diejenigen Bereiche legen, mit denen das Unternehmen sein Geld verdient. Was verbirgt sich hinter dieser Aussage?

Erst einmal müssen wir von einer ‚Digitalen Evolution’ und keiner Transformation sprechen. Unternehmen setzten seit Anfang der 70er Jahre auf IT-Lösungen (Hardware, Software). In dieser Zeit ging es darum, die Organisation und Mitarbeiter mit IT auszustatten, um ein Digital Enterprise 1.0 zu schaffen. Der Großteil der Unternehmen befindet sich mittlerweile im Digital Enterprise 2.0. Hierbei geht es darum, IT viel stärker in den Mittelpunkt zu stellen und das eigene Unternehmen mit Kunden, Partner und Lieferanten viel stärker miteinander zu vernetzen und neue (digitale) Produkte und Services zu entwickeln, Stichwort: Internet of Things. Hierbei helfen dann Mobile Computing, Cloud Computing, Software-defined Products etc. Nur ein Bruchteil (zwei Prozent) der Unternehmen weltweit befinden sich bereits im Digital Enterprise 3.0, wo es darum geht Ende-zu-Ende Angebote zu entwickeln und damit die gesamte Wertschöpfungskette zu kontrollieren. Amazon ist hier einer der Vorreiter. Aber auch die noch dichtere Vernetzung im Kontext von Menschen, Objekten, Geräten und Lokationen wird immer mehr in den Mittelpunkt rücken, um maßgeschneiderte Lösungen am Ort des Geschehens (Geo-Location) anzubieten. Bis hin zu einer AI-defined World, wo anhand von Intelligent Environments unser Alltag effizienter und bequemer gestaltet wird.

Es klingt seltsam, doch Cloud-Services von verantwortungsvollen Anbietern bieten heutzutage mehr Sicherheit, als es ein Mittelständler selbst mit eigenen Mitteln garantieren könnte. Doch viele Kundendaten und Produktionsinformationen stehen unter vertraglicher Vertraulichkeit. Wie steht es um die Datensicherheit, wenn beispielsweise ERP-Systeme in der Cloud agieren? Was bieten dahingehend die Anbieter bereits an?

Die Krux ist, geht es um das Thema Sicherheit, werden leider immer wieder zwei Begriffe vermischt, die grundsätzlich unterschieden werden müssen: Die Datensicherheit und der Datenschutz.

Datensicherheit bedeutet die technischen und organisatorischen Maßnahmen umzusetzen, um Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Integrität der IT-Systeme sicherzustellen. Public Cloud-Anbieter bieten weit mehr Sicherheit, als es sich ein deutsches mittelständisches Unternehmen leisten kann. Das hängt damit zusammen, dass Cloud-Anbieter gezielt in den Aufbau und die Wartung ihrer Cloud Infrastrukturen investieren und ebenfalls das dafür notwendige Personal beschäftigen und die entsprechenden organisatorischen Strukturen geschaffen haben. Hierzu werden jährlich Milliarden von US-Dollar in die Hand genommen. Es gibt nur wenige Unternehmen außerhalb der IT-Branche, die in ähnlicher Weise in IT-Sicherheit investieren können und wollen.

Beim Datenschutz geht es um den Schutz der Persönlichkeitsrechte während der Datenverarbeitung und den Schutz der Privatsphäre. Dieses Thema sorgt bei den meisten Unternehmen für die echten Kopfschmerzen. Denn beim Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz macht der Gesetzgeber kurzen Prozess. Es geht zunächst also darum, den Cloud-Anbieter für die Einhaltung der im §9 festgehaltenen Regeln im Bundesdatenschutzgesetz in die Verantwortung zu nehmen und dies selbst auf Basis von §11 zu überprüfen. Für die Erfüllung von §11 empfiehlt es sich auf die Gutachten von Wirtschaftsprüfern zurückzugreifen, da kein Anbieter jeden Kunden einzeln ein Audit durchführen lassen kann. Der Datenschutz ist ein absolut wichtiges Thema, schließlich handelt es sich dabei um sensibles Datenmaterial. Es ist aber in erster Linie ein rechtliches Thema, was durch Maßnahmen der Datensicherheit gewährleistet werden muss.

Die digitale Transformation ist im vollen Gange. In Deutschland steht die Industrie zwar weltweit gut da. Doch warum tut sich Deutschland im weltweiten Vergleich so schwer; gar den Anschluss zu verpassen? Was muss in Zukunft besser werden; welche Hebel müssen in Gang gesetzt werden, um auch in Deutschland von einer digitalen Revolution zu sprechen?

Meiner Ansicht nach fehlt in Deutschland die Risikobereitschaft. Es wird ständig zu lange gewartet, bis Best Practices vorhanden sind. Dann wird diskutiert. Dann werden Probleme/ Ausreden und künstliche Hürden (Thema: Datenschutz) herbeigezaubert. Und wenn man sich dann durchgerungen hat etwas zu starten, ist es zu spät und die Marktanteile sind vergeben oder der Mitbewerber aus Übersee ist technologisch meilenweit entfernt. Ein Nachzügler zu sein ist ja per se nichts Schlimmes. Das ist aber nur dann sinnvoll, wenn man als Copycat a la Samwer schlichtweg einen Exit sucht. Aber ernsthafte Innovationen schafft man anders.

Riskieren wir am Ende des Interviews einen Blick in die Glaskugel. Wie sieht für Dich die perfekte digitale Transformation aus? Was sind die digitalen Trends der Zukunft und nicht zu vergessen: Wo siehst Du Deutschland in zehn Jahren?

Ich hoffe nur, das Deutschland beim Thema Artificial Intelligence nicht auch wieder den Anschluss verliert. Das ist technologisch als auch strategisch ein immens wichtiges Thema für jedes deutsche und europäische Unternehmen, um das bestehende Geschäftsmodell und die dazugehörigen Produkte und Services zu erweitern und den Kunden noch mehr in den Mittelpunkt des Interesses zu stellen. Als Kunden liefern wir Anbietern mittlerweile jede Menge Daten, die gewinnbringend für uns genutzt werden können, um uns einen besseren Service zu bieten.

Hinsichtlich Trends sollten man etwas im Blick behalten, was ich als “Digital Correlation” bezeichne. Denn Trends wie Cloud Computing, Artificial Intelligence, Internet of Things, Data Analytics, Fog Computing und Blockchain spielen sehr eng miteinander zusammen und würden ohne einen anderen Trend wohlmöglich gar nicht existieren. Außerdem reicht es heute nicht mehr, einfach nur den nächsten Megatrend nachzulaufen. Das Gesamtbild ist entscheidend und wie man selbst daran partizipieren kann und sollte.

Das Interview wurde zuerst auf TechTag.de unter „René Büst im Interview: Cloud Computing, IoT, Blockchain – die Digitale Evolution“ veröffentlicht.

About the Author

About the Author: Rene Buest is Gartner Analyst covering Infrastructure Services & Digital Operations. Prior to that he was Director of Technology Research at Arago, Senior Analyst and Cloud Practice Lead at Crisp Research, Principal Analyst at New Age Disruption and member of the worldwide Gigaom Research Analyst Network. Rene is considered as top cloud computing analyst in Germany and one of the worldwide top analysts in this area. In addition, he is one of the world’s top cloud computing influencers and belongs to the top 100 cloud computing experts on Twitter and Google+. Since the mid-90s he is focused on the strategic use of information technology in businesses and the IT impact on our society as well as disruptive technologies. Rene Buest is the author of numerous professional technology articles. He regularly writes for well-known IT publications like Computerwoche, CIO Magazin, LANline as well as Silicon.de and is cited in German and international media – including New York Times, Forbes Magazin, Handelsblatt, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Wirtschaftswoche, Computerwoche, CIO, Manager Magazin and Harvard Business Manager. Furthermore Rene Buest is speaker and participant of experts rounds. He is founder of CloudUser.de and writes about cloud computing, IT infrastructure, technologies, management and strategies. He holds a diploma in computer engineering from the Hochschule Bremen (Dipl.-Informatiker (FH)) as well as a M.Sc. in IT-Management and Information Systems from the FHDW Paderborn. .

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